Woher die Legung stammt

Das Keltische Kreuz wurde 1910 von Arthur Edward Waite in The Pictorial Key to the Tarot beschrieben — jenem Buch, das zusammen mit den Kartenbildern von Pamela Colman Smith das bis heute verbreitetste Tarotdeck begründete. Waite stellte die Legung als „eine alte keltische Methode der Wahrsagung“ vor.

Ein Beleg für ein keltisches Alter existiert nicht. Wie bei den ägyptischen Ursprungserzählungen des 18. Jahrhunderts handelt es sich um eine Herkunftsbehauptung, die einer neuen Sache Würde verleihen sollte. Das schmälert die Legung nicht: Sie ist gut gebaut, seit über hundert Jahren erprobt und hat eine klare innere Logik. Nur eben eine edwardianische, keine keltische.

Der Aufbau

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Das Keltische Kreuz nach Waite: Karte 2 liegt quer über Karte 1, rechts steht der Stab aus vier Karten, gelesen von unten nach oben.

Die Legung besteht aus zwei Teilen. Links das eigentliche Kreuz aus sechs Karten, das die Lage beschreibt. Rechts der Stab aus vier Karten, gelesen von unten nach oben, der die Umstände und den Ausblick trägt.

Die zehn Positionen

  • 1Die Sache selbst — worum es geht, die Ausgangslage.
  • 2Was quer liegt: das Hindernis, aber auch das, was in Bewegung bringt.
  • 3Die Grundlage — was darunter liegt, oft unausgesprochen.
  • 4Was hinter der Sache liegt: das, was gerade vergeht.
  • 5Was darüber steht: Ziel, Anspruch, das bewusst Angestrebte.
  • 6Was als Nächstes kommt — der nahe Schritt, nicht das Ende.
  • 7Die eigene Haltung: wie man selbst in der Sache steht.
  • 8Das Umfeld: Menschen, Umstände, Rahmenbedingungen.
  • 9Hoffnungen und Befürchtungen — bei Waite ausdrücklich beides zugleich.
  • 10Der Ausgang, wenn sich an der Richtung nichts ändert.

Position 9 ist die aufschlussreichste des ganzen Systems. Waite fasste Hoffnung und Furcht bewusst in einer Position zusammen — weil beide meist dasselbe Thema betreffen. Wer fürchtet, verlassen zu werden, hofft zugleich auf Nähe. Die Karte an dieser Stelle zeigt, worum die Gedanken kreisen, nicht worauf man sich freut.

Verbreitete Varianten

VarianteUnterschiedWirkung auf die Deutung
Positionen 4 und 6 vertauschtVergangenheit rechts statt linksNur eine Leserichtung; inhaltlich gleichwertig. Vorher festlegen.
Signifikator vorab gelegteine vorher gewählte Karte für die fragende Person unter Karte 1Bindet die Legung an eine Person; nimmt dem Deck ein Blatt.
Ohne Position 9neun Karten statt zehnVerkürzt die Legung erheblich — gerade die Position, die am meisten über die Fragestellerin sagt, fällt weg.
Mit Lenormandkarten gelegt36er-Deck statt TarotFunktioniert, verlangt aber kürzere, konkretere Positionsdeutungen — Lenormandbilder tragen weniger Innenleben.

Wie man es liest, ohne sich zu verlaufen

Zehn Karten sind genug, um jede beliebige Geschichte zu belegen. Eine feste Reihenfolge schützt davor:

  1. Karten 1 und 2 zusammen — die Lage in einem Satz.
  2. Die Senkrechte 3 und 5 — was darunter liegt, was darüber steht.
  3. Die Waagerechte 4 und 6 — woher, wohin.
  4. Den Stab von unten nach oben: 7, 8, 9, 10.
  5. Zum Schluss ein einziger Satz, der die Legung zusammenfasst.

Wichtig ist der letzte Punkt. Wenn sich eine Zehnerlegung nicht in einem Satz sagen lässt, wurde sie nicht gedeutet, sondern nachgeschlagen. Der Satz muss nicht schön sein — er muss so klar sein, dass man in vier Wochen beurteilen kann, ob er zutraf.

Für kleinere Fragen bleibt die Drei-Karten-Legung die bessere Wahl; einen Überblick über alle Systeme gibt Legemuster im Überblick.