Das Häusersystem

In einer Großen Tafel hat jeder Platz eine feste Bedeutung, unabhängig davon, welche Karte dort landet. Platz 1 ist das „Haus des Reiters“ und steht für Nachrichten, Platz 4 das „Haus des Hauses“ und steht für Wohnen und Familie, Platz 24 das „Haus des Herzens“ und steht für Zuneigung. Die Häuser folgen der Kartenreihenfolge von 1 bis 36.

Gedeutet wird die Spannung zwischen Karte und Platz: Liegt die 23 Mäuse auf Platz 34 Fische, wird das traditionell als Zehrung im Bereich Geld gelesen — liegt sie auf Platz 5 Baum, als Zehrung im Bereich Gesundheit.

Die Distanzmethode

Der Abstand zweier Karten im Feld wird als Maß für Nähe gelesen: Wie viele Plätze liegen zwischen der Personenkarte und dem Thema? Berühren sie sich, gilt die Sache als gegenwärtig und unmittelbar; liegen sie an entgegengesetzten Enden, als fern oder unbeteiligt.

Sinnvoll ist die Methode dort, wo sie sparsam eingesetzt wird — etwa für genau eine Frage: Wie weit liegt die eigene Personenkarte von der Karte entfernt, um die es geht? Jenseits davon lässt sich aus Abständen in einem 36er-Feld nahezu beliebig viel herauslesen.

Der Springerzug

Von einer Ausgangskarte aus wird in Springerzügen des Schachs weitergegangen — zwei Felder in eine Richtung, eines quer. Die so erreichten Karten gelten als zusammengehörige Kette, die eine Entwicklung beschreibt.

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Springerzug in einem Feldausschnitt: von Platz 2 aus erreicht der Zug Platz 13 und von dort Platz 24 — die Karten dieser Kette werden zusammen gelesen.

Der Springerzug ist die umstrittenste der hier genannten Techniken. Für ihn spricht, dass er eine feste, nicht frei wählbare Regel benutzt — man kann sich die Kette nicht zurechtlegen. Gegen ihn spricht, dass die Übertragung einer Schachregel auf ein Kartenfeld ohne jede inhaltliche Begründung bleibt.

Spiegelung

Karten, die in einer Zeile spiegelbildlich zueinander liegen — die erste und die letzte, die zweite und die vorletzte —, werden als Paar gelesen. Die Spiegelung fragt nicht nach Entwicklung, sondern nach Entsprechung: Was antwortet einander?

Diese Technik ist die zurückhaltendste der vier und deshalb die brauchbarste. Sie liefert wenige Paare, sie ist eindeutig bestimmt, und sie erzeugt Gegenüberstellungen, auf die man von selbst nicht käme.

Klärungskarten

Bleibt eine Stelle unklar, wird eine zusätzliche Karte gezogen. Das ist zulässig — unter zwei Bedingungen: Die Stelle wird vorher benannt, und es bleibt bei einer Karte. Beides klingt banal und wird fast immer gebrochen.

Die gemeinsame Schwäche aller Techniken

Häuser, Distanzen, Springerzüge und Spiegelungen vervielfachen die Zahl der Bezüge, die sich in einer Legung finden lassen. Bei 36 Karten und vier Auswertungsverfahren gibt es mehr mögliche Deutungslinien, als ein Mensch überblicken kann — und damit praktisch garantiert eine, die zur erwarteten Antwort passt. Genau das erklärt, warum fortgeschrittene Deutungen so oft besonders überzeugend wirken: nicht weil sie präziser sind, sondern weil mehr zur Auswahl steht.

Der übliche Umgang damit ist handwerklich: Vor dem Aufdecken festlegen, welche zwei Verfahren zum Einsatz kommen und welche Frage sie beantworten sollen. Wer das notiert, kann später prüfen, ob die Deutung getragen hat. Alles andere ist Mustersuche — und die findet immer etwas. Warum das so ist, steht unter Intuition in der Kartomantie.